Anruf bei... Sabine Fischer
veröffentlicht am: 09.07.2026
Hallo Frau Fischer, schön, dass Sie sich Zeit für ein Gespräch mit uns nehmen. Sie sind Rechtsanwältin und leiten als Hauptgeschäftsführerin die Bayerische Architektenkammer. Welche Aufgaben übernimmt die Kammer konkret für Bauherren, Kommunen und Architekturbüros?
Sabine Fischer: In erster Linie erfüllt die Kammer ihren gesetzlichen Auftrag: Sie vertritt die beruflichen Belange ihrer Mitglieder, wie es im Bayerischen Baukammerngesetz festgelegt ist. Mitglieder sind alle in die Architektenliste eingetragenen Architektinnen und Architekten, Innen- und Landschaftsarchitekten sowie Stadtplaner – derzeit rund 26.000 in Bayern. Darüber hinaus bietet die Kammer ein breites Leistungsspektrum: Die Akademie organisiert Fort- und Weiterbildungen, während die Beratungsstellen für Energieeffizienz und Nachhaltigkeit sowie die Landesfachstelle Barrierefreiheit fachliche Unterstützung leisten – auch für die Auftraggeber unserer Mitglieder, sowohl private Bauherren als auch die öffentliche Hand. So stärken wir nicht nur die fachliche Expertise, sondern fördern auch die Zusammenarbeit zwischen Architekturbüros, Bauherren und innerhalb der Berufsgruppen. Davon profitiert letztlich die Baukultur in Bayern insgesamt.
Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen beim Planen und Bauen in Bayern?
Sabine Fischer: Das Planen und Bauen ist – wie vieles andere auch – in den letzten Jahren deutlich komplexer geworden: komplizierter, zeitaufwändiger und vor allem teurer. Hier gilt es gegenzusteuern, mit weniger Normen und Standards, weniger Bürokratie und mehr innovativen Ansätzen. Ein Beispiel dafür ist der von der Bayerischen Architektenkammer initiierte „Gebäudetyp-e“, der gezielt auf diese Entwicklung reagiert.
Wie verändern sich die Ansprüche der Menschen an Wohnraum und welche architektonischen Trends prägen moderne Wohnhäuser aktuell besonders?
Sabine Fischer: Von Trends zu sprechen, halte ich für schwierig. Sicher aber verändern sich die Bedürfnisse der Menschen im Laufe der Zeit, beeinflusst und in Abhängigkeit von den ökonomischen, ökologischen, gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen. Der Traum von den eigenen vier Wänden, am liebsten in Form eines Einfamilienhauses, ist heute nicht nur schwerer zu realisieren, sondern auch kritisch zu hinterfragen, etwa in Bezug auf Flächenverbrauch und Infrastruktur. Gleichzeitig fehlt bezahlbarer Wohnraum. Umso wichtiger ist es, generationengerecht zu planen und Gemeinschaft zu stärken – etwa durch Mehrgenerationenhäuser oder Baugemeinschaften, die der zunehmenden Einsamkeit entgegenwirken können.
Was macht die fränkische Baukultur aus Ihrer Sicht besonders?
Sabine Fischer: Da empfehle ich Ihnen einen Blick in unsere „Architektouren“: Seit 30 Jahren werden aktuelle, ausgewählte Projekte – im Bestand wie im Neubau – jedes Jahr am letzten Juni-Wochenende der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Darüber hinaus sind sie ganzjährig komfortabel online zu besuchen (www.byak.de/planen-und-bauen/projektsuche/projektsuche.html). Ober-, Mittel- und Unterfranken sind jedes Jahr mit spannenden Gebäuden, Innenräumen und Freianlagen dabei. Sie zeigen eindrucksvoll, dass Baukultur in Städten ebenso zu Hause ist wie im ländlichen Raum – gerade in Franken. Und auch unsere Treffpunkte Architektur Ober- und Mittelfranken sowie Unterfranken bieten ein tolles Veranstaltungsprogramm rund um die fränkische Baukultur!
Worauf sollten private Bauherren aktuell besonders achten?
Sabine Fischer: Für private Bauherren ist entscheidend, dass ein Gebäude ihre individuellen Anforderungen erfüllt, und das natürlich langfristig. Standardlösungen, „von der Stange“, reichen dafür nicht aus. Egal ob es um eine Bestandssanierung, einen Um-, An- oder Neubau geht, planen Architektinnen und Architekten als Treuhänder ihrer Bauherrschaften maßgeschneiderte Lösungen. Sie beraten umfassend und vor allem neutral und unabhängig, auch zu Fragen der Energieeffizienz, Nachhaltigkeit oder Barrierefreiheit.
Wenn Sie einen Wunsch für die Zukunft des Bauens in Bayern frei hätten – welcher wäre das?
Sabine Fischer: Ganz klar: Bauen muss wieder einfacher werden, es muss schneller gehen und damit auch kostengünstiger werden, die hohen Bodenpreise sind Herausforderung genug. Gleichzeitig wünsche ich mir eine Baukultur, die Nachhaltigkeit, Innovation und regionale Identität selbstverständlich verbindet – ressourcenschonend geplant, bezahlbar umgesetzt und getragen von interdisziplinärer Zusammenarbeit. Ich wünsche mir, dass der Bestand stärker wertgeschätzt und Kreislaufwirtschaft zur Selbstverständlichkeit wird. Ich wünsche mir inklusive Räume, die Gemeinschaft fördern und den sozialen Zusammenhalt stärken. Ein Bayern halt, das seine Wurzeln bewahrt und zugleich neue Maßstäbe setzt.
Vielen Dank für das Gespräch!
Treffpunkt Architektur: www.treffpunktarchitektur-unterfranken.de www.treffpunktarchitektur-om.de
Fränkische Projekte: www.byak.de/planen-und-bauen/projektsuche/projektsuche.html www.byak.de
Bildquelle(n): privat