Vor Ort: Lebendige Geschichte, Romantik und Kultur in Rothenburg ob der Tauber

04.04.2011 11:41

Die ?Empfangsstube Bayerns? feiert dieses Jahr gleich zwei Jubiläen: 100 Jahre Schäfertanz und 700 Jahre St. Jakobs Kirche

Über die A6 Richtung Heilbronn und die A7 Richtung Würzburg gelangt man von Nürnberg aus in einer guten Stunde nach Rothenburg ob der Tauber. Schon die Fahrt durch malerische Täler und Höhenzüge stimmt auf ein romantisches Ziel ein. Und wirklich, in Rothenburg angekommen versteht man sofort, weshalb die Stadt auch ?Empfangsstube Bayerns? genannt wird. Verwinkelte Gassen mit Kopfsteinpflaster, malerische Fachwerkhäuser und natürlich die eindrucksvolle Stadtmauer zeugen eindrucksvoll von einer lebendigen Geschichte. In über 1000 Jahren haben Kaiser, Könige, Patrizier und freie Stadtbürger Spuren hinterlassen.

Obgleich für den stimmungsvollen Weihnachtsmarkt berühmt, ist Rothenburg ob der Tauber keinesfalls nur im Winter attraktiv. ?Wir fahren jedes Jahr im Frühling für eine Woche nach Rothenburg?, erzählt eine begeisterte Radfahrerin aus Hamburg. ?Hier beziehen wir Quartier und brechen jeden Tag zu unterschiedlichen Radtouren auf.? So hat die Radlergruppe aus dem Norden bereits den Aischtalradweg, den Altmühlradweg, den Biberttalweg und den Naturpark Frankenhöhe erkundet. Nach den Touren durch die idyllische Landschaft mit Mühlen, Bächen und Wäldern genießen sie es, abends in ihr gemütliches Gasthaus zurückzukehren und der fränkischen Küche zu huldigen.

Das Frühjahr in Rothenburg hat auch wirklich viel zu bieten. So wird jedes Jahr zur Osterzeit für Einwohner und Gäste symbolisch das ?Rothenburger Osterei? mit alten Osterbräuchen und familiengerechten Veranstaltungen ?gefüllt?. Aktivitäten in der Altstadt, musikalische Darbietungen, Vorführungen und Aktionen zum Mitmachen laden zu einem frühlingshaften Wochenende im bunt geschmückten Rothenburg mit Osterbrunnen, Osterfeuer und Ostereiersuchen ein.

Ab Freitag vor Pfingsten wird jährlich vier Tage lang die wundersame Rettung während des Dreißigjährigen Krieges gefeiert. Im Jahr 1631 soll Altbürgermeister Nusch die Stadt vor der Plünderung gerettet haben, indem er einen Humpen mit 3 1/4 l Wein auf einen Zug leerte, wodurch General Tilly so stark beeindruckt war, dass er Rothenburg verschonte... Dieses Ereignis wird feierlich mit einem symbolischen Heereszug, dem Historischen Festspiel "Der Meistertrunk" und folkloristischem Schäfertanz begangen.

Auch im Sommer locken zahlreiche Veranstaltungen wie beispielweise das ?Rothenburger Weindorf?. Die Stände rund um den Grünen Markt und auf dem Kirchplatz laden zu einer kulinarischen Entdeckungsreise ein. Neben einem bunten Bühnenprogramm werden seltene und beliebte Rebsorten aufgetischt. Das Taubertal-Festival im August mit Rockmusik vor der beleuchteten Stadtmauer ist aus dem jährlichen Veranstaltungskalender der Stadt nicht mehr wegzudenken.

An der Rieger-Orgel der Stadtkirche gastieren in regelmäßigen Abständen Weltklasse-Solisten. Das Toppler Theater im Nordhof des ehemaligen Dominikanerinnenklosters und die Profi-Freilichtbühne ziehen auch überregional kulturbegeisterte Gäste an.

Ein Höhepunkt der jährlichen Veranstaltungen sind die Reichsstadt-Festtage im September. Von Historiengruppen mit rund tausend Mitwirkenden wird die gesamte Stadtgeschichte nachgestellt. Am Freitagabend starten die Festtage mit Fackelzug, Fassadenfeuerwerk und Kanonendonner, in den folgenden Tagen kann man in der Stadt Rittern, königlichen Schützen oder mittelalterlichen Bauern begegnen.

Weihnachtsstadt Rothenburg

Die Traditionen des legendären Weihnachtsmarktes mit den Auftritten des ?Rothenburger Reiterle? reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück. Doch nicht nur im Dezember kommt hier Adventsstimmung auf, im ?Weihnachtsdorf" des Hauses Käthe Wohlfahrt ist das ganze Jahr über Weihnachten. Am Eingang neben dem nostalgischen ?Geschenkeexpress? werden die Gäste von einem mannshohen Nussknacker begrüßt.

In der Weihnachtswelt befinden sich die Nachbildung eines verschneiten fränkischen Marktplatzes mit einem fünf Meter hohen rotierenden Weihnachtsbaum und eine fünfeinhalb Meter große Weihnachtspyramide. Auf rund 1000 qm Verkaufsfläche kann alles fürs eigene Weihnachtsfest erworben werden, von Nussknackern über Pyramiden, Räuchermännchen und Schwibbögen bis hin zu jeder Art von Christbaumschmuck.

In der Etage über dem ?Weihnachtsdorf? befindet sich auch das Deutsche Weihnachtsmuseum mit traditionellem Christbaumschmuck, alten Weihnachtspostkarten, Papierkrippen, Christbäumchen aus Federn und Papier und Baumbeleuchtungen von Kerzenhaltern bis hin zu elektrischen Lichterketten. Alle Museumstexte sind in deutsch und englisch. Mehr zu Bräuchen und Traditionen rund ums Weihnachtsfest erfährt man bei Führungen, die nach vorheriger Anmeldung gebucht werden können.

Lebendige Geschichte in Rothenburg

Rothenburgs Ursprünge gehen auf die Zeit des 12. Jahrhunderts zurück, aus der heute noch Türme, Tore und Mauern zu besichtigen sind. Im Mittelalter erlebte Rothenburg ob der Tauber unter Bürgermeister Heinrich Toppler einen frühen wirtschaftlichen und politischen Höhepunkt und zählte zu den mächtigsten südlichen Städten im Land. Im Jahr 1802 wurde die vormals Freie Reichsstadt in das Königreich Bayern eingegliedert und geriet in den Hintergrund, bis sie von den Malern und Dichtern der Romantik ?wiederentdeckt? wurde.

Rothenburg ob der Tauber versteht es, Geschichte spannend und ?alles andere als trocken? zu präsentieren. Im mittelalterlichen Kriminalmuseum, das als das bedeutendste Rechtskundemuseum Deutschlands gilt, werden ?1000 Jahre europäische Rechtsgeschichte? für jedermann verständlich aufbereitet. Im Gebäude der ehem. Johanniterkomturei erfährt man, unter welchen rechtlichen Verhältnissen die Menschen früher lebten und welche Strafen für geringfügige Übertretungen verhängt wurden.

Im Reichsstadtmuseum werden neben einer Waffensammlung auch kunsthistorische Kostbarkeiten und Relikte aus dem einstigen jüdischen Viertel der Stadt ausgestellt. Auch im Handwerkerhaus, im Puppen- und Spielzeugmuseum, im Historiengewölbe des glanzvollen Rathauses und im ?Toppler-Schlösschen? wird Geschichte lebendig.

Berühmt ist das Rothenburger Rathaus, das aus einem gotischen Grundgebäude mit Renaissancebau besteht. Eine architektonische Besonderheit ist der Rathausturm, der kein eigenes Fundament besitzt, sondern direkt auf den Giebel aufgesetzt wurde. Auch die Ratstrinkstube gehört zu den bekanntesten Gebäuden der Stadt. An der Fassade befinden sich vier unterschiedliche Uhren - u. a. die große Stadtuhr aus dem Jahre 1683 und die Sonnenuhr aus dem Jahre 1768 ? und zwei Fenster, in denen Figuren tagsüber stündlich den legendären Meistertrunks nachstellen.

Seit dem Mittelalter spielten Schäferei und Wollhandel eine wichtige Rolle im Leben der Rothenburger. 1517 erhielt die Schäfergilde das Privileg, einmal jährlich ihren ?Schäfertag? mit Tanz und Musik zu feiern. Der heutzutage zelebrierte ?Schäfertanz? wurde im Jahre 1911 von Herrn Theodor Schletterer ins Leben gerufen und begeht dieses Jahr sein hundertjähriges Jubiläum mit einem Festwochenende im Juli.

Mittelalterliche Bauten: Burg und Kirchen

Der sogenannte Burggarten liegt dort, wo die Hohenstaufen im Jahr 1142 ihre Reichsburg errichteten. Mit den Jahren breitete sich die Siedlung von der Burg über den Hügel aus, bis Rothenburg um 1400 zu den zehn größten Städten des Heiligen Römischen Reiches der Nation gehörte. Nach einem Erdbeben im Jahr 1356 wurden Steine der ursprünglichen Burganlage zum Bau der Stadtmauer verwendet.

Am Burgtor kann man eine Maske erkennen, aus deren Mundöffnung heißes Pech auf Angreifer geschüttet wurde. Im inneren Torflügel befindet sich mit dem ?Nadelöhr? ein ?Schlupfpförtchen? für eine einzelne Person, damit nachts nicht das große Tor geöffnet werden musste. Der um 1400 vollendete Klingenturm diente als Wasserturm. Hinter dem zugehörigen Klingentor liegt die spätgotische Wehrkirche St. Wolfgang mit unterirdischen Kasematten. Im Torwächterhaus befindet sich heute das Schäfertanzkabinett.

Die frühgotische Franziskanerkirche mit dem berühmten Franziskusaltar ist die älteste Kirche der Stadt. Die katholische Johanniskirche stammt aus dem 14. Jahrhundert.

Die protestantische St.-Jakobs-Kirche erhielt 1485 nach fast zweihundertjähriger Bauzeit ihre Weihe. Schon seit dem Mittelalter wandern Pilger in die gotische Kirche, um den geschnitzten Heilig-Blut-Altar von Tilman Riemenschneider zu bewundern. Im Jahr 2011 sollen die aktuellen Sanierungsmaßnahmen der nun 700 Jahre alten Kirche unter dem Motto ?Jakob steht auf? beendet werden.

Aktivangebote

Neben den abwechslungsreichen Radwegen finden sich auch vorzüglich ausgeschilderte Wanderwege rund um die Stadt, auf die Frankenhöhe oder ins Taubertal. Zweimal jährlich im Herbst und Frühjahr finden die kostenlosen ?Rothenburger Wanderwochen? statt. Darüber hinaus werden Heißluftballon-Fahrten und sportliche Aktivitäten wie Schießen, Angeln und Reiten angeboten. Badeseen, Trimm-Dich-Pfade, Golfplätze und eine Therme im Umland runden das reiche Freizeitprogramm ab.

?Eine Woche reicht kaum aus, um Rothenburg in all seinen Facetten kennenzulernen.?, schmunzelt die radbegeisterte Hamburgerin, ?deshalb kommen wir auch nächstes Jahr wieder!?

Weitere Informationen unter:

www.rothenburg.de

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