Transparenz ist immer gut

01.06.2018 10:37

Das neue Bauvertragsrecht stärkt die Interessen der Bauherren

Bildquelle: vqc

Seit Beginn dieses Jahres ist das neue Bauvertragsrecht in Kraft. Mit dem Gesetz werden Bauherren generell mehr Rechte zugestanden, aber auch Bauunternehmen können von der Novellierung profitieren. Generell soll – so die politische Intention – durch eine möglichst große Transparenz in der Vertragsgestaltung der Bauherr vor Pleiten, Pech und Pannen geschützt werden. „Das ist vom Ansatz her gut so, jedoch muss abgewartet werden, ob diese Wirkung tatsächlich so eintritt“, urteilt der Verein zur Qualitäts-Controlle am Bau e.V. (Staufenberg).  

Die Sachverständigen-Organisation prüft seit 2005 Einfamilienhäuser während der Bauphase. Mehr als 20 000 Einfamilienhäuser wurden seitdem von den Sachverständigen nach dem bewährten VQC-System geprüft. Von daher sind die Sachverständigen des VQC nah dran an den Bedürfnissen, Sorgen, Wünschen und Nöten der Bauherren.

Präzise Baubeschreibungen bringen Klarheit

„Endlich müssen Baubeschreibungen auch für den Endverbraucher verständlich gestaltet sein und vor allem ein verlässlicher Fertigstellungstermin im Vertrag fixiert sein“, lobt VQC-Vorsitzender Udo Schumacher-Ritz. Das bringt den Bauherren Planungssicherheit und vor allem erspart ein zuverlässiger Einzugstermin teure und unnötige Mietzahlungen. In der Baubeschreibung sind zudem bautechnische Details aufgeführt, mit denen die Bauherren belegen können, dass das geplante Haus auch tatsächlich den gesetzlichen Vorgaben entspricht – das hilft im Umgang mit den Behörden.

Für Haus-Anbieter, die den Kunden bisher schon alle notwendigen Vertrags- und Planungsunterlagen in ausreichender Form offengelegt haben, ändert sich an dieser Stelle wenig. Alle anderen sind jetzt dazu gezwungen, die Karten offen auf den Tisch zu legen, die aufzeigen, welche Leistungen im Kaufpreis wirklich enthalten sind oder eben nicht. Das erleichtert den Vergleich mehrerer Angebote. „Wichtig ist, dass sich Hausherren die nötige Zeit nehmen und die Baubeschreibung ohne Zeitdruck intensiv studieren – am besten mit externer sachkundiger Unterstützung durch einen Bausachverständigen. Denn wegen der großen Informationsfülle der Baubeschreibung sind viele Bauherren jetzt erst recht überfordert.“

Widerrufsrecht schützt vor folgeschweren ad hoc Entscheidungen

Ebenfalls als verbraucherfreundlich und Schritt in die richtige Richtung sieht der VQC das Widerrufsrecht, dass privaten Bauherren jetzt erlaubt, Bauverträge 14 Tage nach Abschluss zu widerrufen – und das ohne Angabe von Gründen. „Damit wird der Endverbraucher vor folgeschweren übereilten Entscheidungen und zweifelhaften Lockangeboten geschützt“, so Schumacher-Ritz. Von Nachteil ist an dieser Stelle aber unter Umständen, dass der Planungs- und Baubeginn damit aufgeschoben werden muss, denn kein Unternehmer wird in Vorleistung gehen, solange der künftige Bauherr noch zurücktreten kann.

10 Prozent des Kaufbetrages gibt es erst nach Bauabnahme

Ein entscheidendes Plus an Sicherheit ist nach Einschätzung der Sachverständigen-Organisation die im Bauvertragsrecht neu geregelte, reduzierte Abschlagszahlung von maximal 90 Prozent. Im Klartext: 10 Prozent der Kaufsumme kann zurückgehalten werden, der Rest wird erst bei Übergabe fällig. Dem Endverbraucher wird auf diesem Wege die Position gegenüber dem Bauunternehmen erheblich verbessert und die Bereitschaft, ordentlich und möglichst fehlerfrei zu arbeiten, wächst spürbar. Um Willkür zu vermeiden ist die Abnahmeregelung ebenfalls im neuen Bauvertragsrecht präzise geregelt und auch das Bauunternehmen geschützt: Laut §640, Absatz 2 gilt ein Werk als abgenommen, wenn das Handwerksunternehmen dem Auftraggeber nach Fertigstellung des Werkes eine angemessene Frist zur Abnahme gesetzt hat und der Auftraggeber die Abnahme nicht innerhalb dieser Frist unter Angabe mindestens eines Mangels verweigert hat. Wenn der Bauherr jedoch die Abnahme unter Angabe von Mängeln verweigert, hat er auf Verlangen des Bauunternehmen s an einer gemeinsamen Feststellung des Zustandes des Hauses mitzuwirken. Wird dies vom Auftraggeber jedoch aktiv verhindert, kann der Bauträger einen Bauzustandsbericht durch einen Bausachverständigen erstellen lassen und somit eine de facto-Abnahme ohne Anwesenheit des Bauherrn erwirken. Problematisch könnte die 10 %-Regelung werden, weil hier nicht unerheblich in die Liquiditätsplanung der Bauunternehmen eingegriffen wird. Insbesondere kleinere Unternehmen könnten gezwungen sein, die Preise anzuheben – was wiederum nachteilig für den Verbraucher ist. Die Folgen für die Bauwirtschaft sind im Moment noch gar nicht absehbar.  

Maßnahmen, die die Verbraucherrechte stärken, sind laut VQC generell zu begrüßen, dürfen aber auch die Gegenseite nicht überdurchschnittlich benachteiligen. Die Sachverständigen-Organisation weist aber darüber hinaus darauf hin, dass trotz aller Gesetzesänderungen eine Qualitätskontrolle durch einen Sachverständigen während der Bauphase noch immer die beste Möglichkeit ist, ein fehlerfreies und damit auch sorgenfreies Eigenheim zu beziehen. Denn: „Gute Häuser werden von Handwerkern gebaut, nicht von Juristen“, so der VQC-Vorsitzende.  

Übrigens: Nicht nur Bauherren profitieren von dem neuen Bauvertragsrecht, auch die Interessen und Rechte von Handwerker werden in der Gesetzesnovelle gestärkt. Denn ab sofort können ausführende Handwerker einen Ersatzanspruch gegenüber dem Lieferanten von Baumaterial etc. geltend machen. Bislang sind Handwerker auf den Kosten sitzen geblieben, wenn auf Grund von Materialmängeln Baumängel entstanden sind. Jetzt haben Handwerker einen Anspruch auf Erstattung der Materialkosten, inkl. der Arbeitskosten. Ausnahmen: Wenn Hersteller und Lieferanten die Haftung in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen ausgeschlossen haben. Darauf weist der Verein zur Qualitäts-Controlle e.V. hin.(vz)

Bildquelle: qvc

Zurück

qm Leserservice / Abos kostenlos

Sie können das qm Magazin sowie weitere Magazine und Infomaterial kostenlos ab der nächsten erreichbaren Ausgabe abonnieren und sich per Post zusenden lassen.

Mehr Informationen zum qm Leserservice

Bestellformular als PDF hier

E–Mail: vertrieb@qm-magazin.de

Tel: 0911 / 32 16 21-11

Fax: 0911 / 32 16 21–19

Magazin Download

Die aktuelle Ausgabe des
qm Magazins gibt es hier kostenlos zum Download.

Titel der aktuellen Ausgabe

Anzeigenschluss

 

Ausgabe Oktober 2018

Erscheinungstermin: Dienstag, 02. Oktober 2018

Anzeigenschluss: Donnerstag, 13. September 2018

Druckunterlagenschluss: Donnerstag, 20. September 2018

-----

Ausgabe November 2018

Erscheinungstermin: Dienstag, 06. November 2018

Anzeigenschluss: Donnerstag, 18. Oktober 2018

Druckunterlagenschluss: Donnerstag, 25. Oktober 2018

-----

Doppelausgabe Dezember 2018 / Januar 2019

Erscheinungstermin: Dienstag, 04. Dezember 2018

Anzeigenschluss: Donnerstag, 15. November 2018

Druckunterlagenschluss: Donnerstag, 22. November 2018

 

Weitere Infos oder Angebot unter:

0911/ 321 621–11  oder  info@qm-magazin.de

Mediadaten

Mehr Informationen

Kontakt / Anschrift

qm medien GmbH
Rehdorfer Str. 10
90431 Nürnberg

Tel.: 09 11 / 32 16 21 – 11
Fax: 09 11 / 32 16 21 – 19

E-Mail: info@qm-magazin.de

Kontaktformular