70 Jahre Joseph-Stiftung: Interview mit Vorstandssprecher Dr. Wolfgang Pfeuffer

09.08.2018 10:17

Bildquelle: Joseph Stiftung

Als der damalige Erzbischof Joseph Otto Kolb gemeinsam mit dem katholischen Werkvolk die Joseph-Stiftung am 28. Oktober 1948 aus der Taufe hob, lag Deutschland in Trümmern und die Wohnungsnot war allgegenwärtig. Heute ist das Thema Wohnraum präsent wie nie. Die Diskussion dreht sich um bezahlbare Mieten, die Notwendigkeit von sozialem Wohnungsbau, hohe Grundstückspreise und die Frage, wie die Menschen in Zukunft wohnen werden. Alles Fragen, mit denen sich auch Dr. Wolfgang Pfeuffer, seit fast 25 Jahren Vorstandssprecher der Joseph Stiftung, täglich beschäftigt. Im Interview spricht er anlässlich des 70. Geburtstages der Joseph-Stiftung über diese wichtigen Aspekte.

Herr Dr. Pfeuffer, welche Ausgangssituation hat 1948 zur Gründung der Joseph-Stiftung durch den damaligen Erzbischof Joseph Otto Kolb geführt? Und welcher dieser Aspekte spielt bis heute eine Rolle?

Nach dem Krieg waren die Städte zerbombt, es gab kaum Wohnungen und zeitgleich einen massiven Zuzug von Flüchtlingen. Der damalige Erzbischof hat die Zeichen der Zeit erkannt und mit der Gründung der Joseph-Stiftung sowie der Bereitstellung von Grundstücken und Spendenmitteln einen großen Beitrag der Kirche geleistet, Menschen mit Wohnraum zu versorgen. Heute wie damals stellt uns der Mangel an Wohnraum vor ähnliche Herausforderungen. Zwar war die Situation nach dem 2. Weltkrieg in ihrer Dimension einmalig, dennoch sind auch heute Wohnungsmangel oder Enge sozialer Sprengstoff. Adäquates Wohnen war und ist ein fundamentales Bedürfnis des Menschen.

Wie bewerten Sie aus heutiger Sicht die Stiftungsform des Unternehmens?

Ich halte die Rechtsform der Stiftung für einen absoluten Glücksfall. Wirtschaftlich handeln müssen wir auch als Stiftung in jedem Fall. Aber wir sind in der Lage unsere ausschließlich selbst erwirtschafteten Finanzmittel im Sinne der Stiftung für den Wohnungsbau einzusetzen. Die Stiftung ist nicht renditegetrieben und muss nicht permanent auf Quartalszahlen schauen. Dadurch können wir uns auch langfristigen Projekten widmen, die andere Unternehmen so nicht durchhalten würden.

Liegt darin auch der Unterschied zu rein gewinnorientiert arbeitenden Wohnungsunternehmen?

Der zentrale Unterschied ist, dass wir auch dort Wohnungen bauen, wo andere aus Renditegesichtspunkten zurückschrecken. Wir setzen uns bewusst auch für Menschen ein, die es auf dem Wohnungsmarkt schwerer haben.

Also durchaus ein Ansatz im Sinne christlicher Grundwerte. Aber welche Rolle spielen Kirche und Katholizismus in der heutigen Arbeit der Joseph-Stiftung als modernes Wohnungsunternehmen?

Wir sind für alle Menschen, egal welchen Glaubens und welcher Herkunft, die eine Wohnung suchen, offen. Das ist auch unser “kirchlicher Auftrag”. Der universelle Anspruch von Menschlichkeit und Nächstenliebe der Bibel lässt sich auf fast alle Geschäftsbereiche übertragen und konkretisieren. Außerdem wollen wir einen dauerhaften Wertbeitrag für die Kirche und die Caritas in der Erzdiözese Bamberg und Deutschland leisten.

Welche Themen haben die jüngste Vergangenheit der Stiftung, also den Zeitraum 2000 bis heute, am stärksten geprägt?

Eine Besonderheit war das Wiedererstarken des eigentumsbildenden Wohnungsbaus. Aus diesem hatten wir uns Anfang der 1990er-Jahre nahezu vollständig zurückgezogen. Damals galt dieses Geschäftsfeld als risikobehaftet. Heute sind wir hier wieder gut vertreten. Eine richtige Entwicklung, schließlich ist der Eigenheimbau im Stiftungsauftrag verankert. Und wir bieten unseren Kunden einen fixen Fertigstellungstermin und eine Festpreisgarantie. Natürlich muss man auch die Mayersche Gärtnerei in Bamberg als prägendste Baustelle dieser Zeit nennen. Von 1998 bis 2010 wurde hier kontinuierlich gebaut. Wir konnten uns auch den Ruf erarbeiten, in vielen Bereichen Branchenvorreiter zu sein. Beleg dafür sind zahlreiche Auszeichnungen. Auf die kommenden Jahre betrachtet ist die Fokussierung der Stiftung auf die drei Megathemen: Demografie, Nachhaltigkeit und Digitalisierung extrem wichtig gewesen. Diese haben wir personalisiert und jedes einem unserer drei Vorstände zugeordnet.

Welche spezifischen Herausforderungen erwarten Sie künftig für die Joseph-Stiftung?

Wir müssen uns ernsthaft mit dem Thema „Big Data“ befassen. Wie können wir rechtlich zulässig welche Daten aus unseren Wohnungen und Häusern generieren und damit den Kunden einen Mehrwert bieten. Auch der weitere Umbau unseres Wohnungsbestandes Richtung Barrierefreiheit ist ein wichtiger Punkt. Generell müssen wir unseren Wohnungsbestand in einem guten Zustand halten.

Qualität ist die eine Seite, aber wie sieht es langfristig mit der Quantität des eigenen Wohnungsbestandes aus?

Wir streben in den kommenden Jahren ein großes Wachstum an und wollen unseren Wohnungsbestand um 10 Prozent aufstocken. Aber auf Dauer kann die Stiftung nicht viel größer werden. Sie wird vielschichtig bleiben, ein großes Dienstleistungsangebot haben.

Was bedeutet das 70-jährige Bestehen der Joseph-Stiftung für Sie persönlich?

Mit nur zwei Tagen Unterschied habe ich 50 Prozent der Lebensspanne der Stiftung selbst miterlebt. Ich habe am 1. November 1983 bei der Stiftung angefangen, gegründet wurde sie am 28. Oktober 1948.

Zum Schluss ein Blick in die Kristallkugel: Welche Schlagzeile wünschen Sie sich zum 80-oder 90-jährigen Geburtstag der Stiftung?

„Joseph-Stiftung: Der kirchliche Immobiliendienstleister in Deutschland“, zum 80. Geburtstag.

www.joseph-stiftung.de

 

Bildquelle: Joseph Stiftung; Heuchling

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