Ein Anruf bei...Daniel F. Ulrich

20.08.2019 00:00

Planungs- und Baureferent der Stadt Nürnberg

Daniel F. Ulrich

Herr Ulrich, wir freuen uns, Sie als Gesprächspartner für unsere aktuelle Ausgabe begrüßen zu dürfen. Sie sind Planungs- und Baureferent der Stadt Nürnberg. Was gehört für Sie zum Aufgabenverständnis
und Leitbild des Planungs- und Baureferats?

Im Kern geht es darum, in der wachsenden Stadt die Bedürfnisse derer, die schon da sind, mit denen zusammenzubekommen, die noch nicht da sind. Dabei ist es nicht so, dass Nürnberg aktiv wachsen will, die Attraktivität der Stadt bringt dieses Wachstum aber mit sich – in den letzten 10 Jahren etwa um die Einwohnerzahl von Schwabach. Dass das alles nicht nur Freude auslöst, auch bei mir nicht, ist dabei klar. Aber Jammern hilft ja nicht.

In der Entwicklung ist die Vision dann in drei Punkten zu umschreiben

  1. Das Ideal der europäischen Stadt pflegen, also die dichte, im Sommer schattige, im Winter helle Stadt der kurzen Wege, in der Wohnen, Arbeiten und Freizeit auf engstem Raum stattfinden können. Das ist dann genau das Gegenteil der 60er Jahre, aber es ist das, was Nordstadt, Gostenhof oder die Südstadt so lebenswert macht.
  2. Doppelte Innenentwicklung, also Bauen und besseres sowie mehr Grün nach Innen, ohne in das Umland zu  gehen.
  3. Moderne Mobilität, also Stärkung des Umweltverbundes aus ÖPNV, Fußgängern und Radlern, ohne dabei die Existenz von Autos zu leugnen.

Der Schutz des baulichen Erbes der Stadt ist ein wichtiger Punkt Ihres Aufgabengebiets. In einer Stadt wie Nürnberg mit seiner mittelalterlichen Architektur sicher keine leichte Aufgabe.

Mittelalterlich ist nur der Stadtgrundriss der Altstadt, die Architektur ist, abgesehen von wenigen Bauten, „beste Nachkriegsware“. In der Altstadt sieht man sehr schön, wie eine Stadt des Wiederaufbaus auch aussehen kann. Das zu bewahren ist eine schwere Aufgabe, aber ich habe da exzellente Fachleute, die das mit Herzblut machen. Und die gute Konjunktur hilft sehr, den Schutz der verbleibenden Baudenkmale interessant zu halten. An dieser Stelle läuft es aktuell sehr gut – seit ich den Job mache haben wir kein gelistetes Baudenkmal in Nürnberg verloren!

Wie schätzen Sie aktuell die angespannte Wohnungsmarktlage in der Frankenmetropole ein?

Es ist eng – wir genehmigen sehr viel, etwas weniger wird gebaut, und immer noch sind die Schlagen am Wohnungsamt lang. Das Stadtwachstum hat die Lage nicht verbessert, aber wie es aussieht, kommen wir mit einem „blauen Auge davon“, eine echte Krise sehen wir zum Glück nicht. Aber eben, weil Nürnberg sehr viel baut.

Können Sie uns auf den neusten Stand bringen, welche großen Projekte stehen aktuell auf der Agenda (Stichwort Quelle-Areal, Südbahnhof, Hauptbahnhof)?

Unser größtes Projekt ist die Neubebauung des Südbahnhofes, da entsteht neben der Technischen Universität Nürnberg, der Uni, auf die wir nun 200 Jahre gewartet haben, ein Wohnquartier für über 5 000 Menschen. Ein Vorzeigeprojekt in Mobilität, Grün und Städtebau. Und natürlich ist es auch schön, dass es bei der Quelle weitergeht, da ist soeben der Vorbescheidsantrag eingelaufen – 1 000 Wohnungen und Büros für über 1 000 Menschen, dazu Grün, ein wenig Handel. Eine kleine Stadt in der Stadt. Und am Hauptbahnhof wächst der neue Hotelkomplex in die Höhe, es wird architektonisch eines der besten Bauwerke in Nürnberg werden, eine echte Bereicherung.

Die Stadt errichtet neben der Meistersingerhalle ein neues Konzerthaus. Wie weit ist man hier im Prozess?

Der Neubau des Konzerthauses wird ein wesentlicher Baustein der Aufwertung der Südstadt. Wir sind nun in der „ersten Runde“ mit den Planern durch, ein Entwurf mit vielen Ansätzen steht also. Nun gehts an die Verfeinerung, es muß ja alles passen, die Akustik, die Kosten, die Qualitäten, der Brandschutz. Und auch die Fassade wird noch ein großes Thema werden – im Wettbewerb waren die Aussagen dazu recht vage, das baulich umzusetzen wird eine Herausforderung. Aber die Stadt hat da ein Top-Team aus Leuten, die nur dieser Aufgabe dienen.

Und zum Schluss: Verraten Sie uns noch Ihren persönlichen Nürnberger Lieblingsplatz im Sommer?

Im Sommer ist die Stärke der dichten Stadt der Schatten – und da kann gerade die Altstadt punkten. Die Ost-West-Orientierung der Hauptwege sichert eine Seite ohne pralle Sonne, aber mit Westwind, und dazwischen gibt es immer ein nettes Plätzchen. Das schönste ist für mich dabei der Kreuzigungshof im Heilig-Geist Spital – ein echter Geheimtipp!

Vielen Dank für das informative Gespräch!


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