1. Zukunftsforum der kirchlichen Immobilienbesitzer

21.06.2016 15:13

Joseph-Stiftung lud unter dem Motto „Werte – Wandel – Wirkung – 2016“ zum Meinungs- und Wissensaustausch nach Bamberg ein

Welche Herausforderungen stellen sich Besitzern kirchlicher Immobilien im wachsenden Spannungsfeld aus demographischem Wandel, Digitalisierung und Nachhaltigkeit? Und vor allem: Wie können die Betroffenen ihren Bestand mit einer klaren Strategie betreiben und so langfristig sichern? Um entsprechende Lösungsansätze gemeinsam zu beleuchten und zu diskutieren, hat unter dem Motto „Werte – Wandel – Wirkung – 2016“ die Joseph-Stiftung, das kirchliche Wohnungsunternehmen im Erzbistum Bamberg, bundesweit zu ihrem 1. Zukunftsforum eingeladen.

Im Kreis von rund 80 Teilnehmern legte man in Vorträgen, in einer Ausstellung und auf einem „Marktplatz für den ungezwungenen Wissensaustausch“ den Fokus auf die vier Themenschwerpunkte „innovativ“, „bewahrend“, „wirtschaftlich“ und „kirchlich-sozial“; diese bilden zugleich den sogenannten Wertekreis der Joseph-Stiftung. Veranstaltungsort war das Bamberger Bistumshaus „St. Otto“. Bereits am Vorabend trafen sich die Weitangereisten im Erzbischof-Joseph-Otto-Kolb-Haus am Schillerplatz, um voneinander zu erfahren, was sie jeweils umtreibt. Seinen Auftaktimpuls hatte Reinhard Zingler, einer der drei Vorstände der Joseph-Stiftung, kurz und knackig überschrieben: „Mit Kreativität zu neuer Wertschöpfung“. Vorstandssprecher Dr. Wolfgang Pfeuffer sprach zu Beginn des eigentlichen Forums von „bewegten Zeiten“ und meinte, die Joseph-Stiftung beschreite einmal mehr Neuland, übernehme eine Vorreiterrolle und informiere gerne über aktuelle Trends und Paradigmenwechsel in der Branche.

Seit Jahrzehnten biete die Joseph-Stiftung umfassende Dienstleistungen rund um die Immobilie. Sie verfolge einen ganzheitlichen Ansatz, betonte Oliver Rose, Geschäftsführer der Stiftungs-Tochtergesellschaft KIPS, die antritt, um dabei zu helfen, kirchliche Immobilien mit Plan und System zu steuern. Sich und sein Team bezeichnet Rose als „die Zukunftsmanager“.

Sein Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen, bedeute, das zu ändern, was sich nicht bewährt habe. Das Gute gelte es zu bewahren, erläuterte Prof. Dr. Günther Bachmann, Generalsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung bei der Bundesregierung in Berlin. Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex habe einen sowohl technischen als auch politischen Ansatz. Grundsätzlich baue er auf eine freiwillige Verpflichtung von Firmen und Organisationen, über die unmittelbaren Lebensgeschehnisse des Tages hinauszuschauen und alles Tun so auszurichten, dass auch unsere Nachfahren noch so handeln könnten.

Ökonomie, Ökologie und Soziales gleichzeitig im Blick

Den Nachhaltigkeitskodex einzuhalten, hilft laut Prof. Bachmann beispielsweise in Vertrauenskrisen gegenüber Kunden und Geldgebern und diene der Mitarbeitermotivation und der Nachwuchsakquise. Allerdings gestand der Referent auch ein: „Man kann mit Nachhaltigkeit auch pleite machen, wenn man es falsch angeht.“ Ökonomie, Ökologie und Soziales – diese drei Bälle müsse man immer gleichzeitig in der Luft halten! Dann brauche niemandem davor bange sein, wenn die Nachhaltigkeit Verfassungsrang erhalte.

Die Joseph-Stiftung hat in diesem Frühjahr erstmals einen ausführlichen Nachhaltigkeitsbericht aufgelegt. Vorstand Dr. Klemens Deinzer unterstrich, dass der Nachhaltigkeitskodex für die Strukturierung der Themen sehr wertvoll gewesen sei. Die im Unternehmen vorhandenen Puzzleteile hätten entsprechend zusammengesetzt werden müssen. Es habe sich gezeigt, dass es sich auf dem Fundament des Stiftungs-Wertekreises immer nah am Menschen in die Zukunft hinein arbeiten ließe.

Christliche Werte und Wirtschaftlichkeit sind miteinander zu vereinbaren

Prof. Dr. Dr. Elmar Nass, der als katholischer Priester an der von der evangelischen Diakonie getragenen Wilhelm-Löhe-Hochschule in Fürth den Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialethik innehat, begründete leidenschaftlich seine These: „Einladende Christlichkeit ist unsere Verantwortung: vor Gott für Mensch und Gesellschaft“. Und er ließ keinen Zweifel daran, dass christliche Werte und Wirtschaftlichkeit miteinander vereinbart werden können. Das eine dürfe nicht das andere ausstechen. Christliche Unternehmen müssten beides ausgewogen im Blick haben. Gewinnmaximierung dürfe nicht das einzige Ziel sein. Ebenso solle es gelingen, die Mitarbeiter bei ihrer persönlichen Entfaltung zu unterstützen. Der Schweizer Wirtschaftswissenschaftler Bruno Frey habe es so formuliert: „Wertschöpfung durch Wertschätzung!“

Dass es auch in christlichen Unternehmen Härten und Grenzen gibt, stellt Prof. Nass nicht in Abrede. Aber er sagt: „Entscheidend ist, wie man es macht.“ Und er vertritt eine strikte Haltung: „Keinesfalls dürfen wir zulassen, die menschliche Würde zu relativieren. (…) Gegebenenfalls muss man als Kirche ein ungeeignetes Unternehmen vom Markt nehmen.“ – Publikumsfragen zielten konsequenterweise auf die Vorbildfunktion der Institution Kirche und auf den Vertrauensverlust durch Skandale. Prof. Nass appellierte, sich aufgrund dessen nicht in Zirkeln abzuschotten, sondern als „Gottes Ebenbild“ zu überzeugen versuchen.

Kosten sparen durch Vernetzung von Gebäudedaten

Die Themenbereiche „wirtschaftlich“ und „innovativ“ deckten beim 1. Zukunftsforum je ein Partnerunternehmen der Joseph-Stiftung ab: Georg Heinze, Geschäftsführer der Aachener Grundvermögen Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH, präsentierte im Rahmen des Aachener WohnenPlus-Fonds neue Wohn- und Betreuungsformen. Und bei Martin Habib, Bereichsleiter für Wodis Sigma (die derzeit in Deutschland führende wohnungswirtschaftliche Software) sowie für Entwicklung & Support bei der Mainzer Aareon AG zuständig, erläuterte, welche Vernetzung von Gebäudedaten durch das „Building Information Modeling“ möglich wird. Für Letzteres sei die Digitalisierung Voraussetzung. Dann könnten Akteure, Abläufe und Systeme in Interaktion treten. Oft gebe es bei der Datenerfassung und -pflege leider einen Bruch zwischen Planung/Bau und Instandhaltung/Modernisierung. Handwerker würden folglich zu einer Art Blackbox fahren, obwohl man genau wissen könnte, womit welche Wohnung ausgestattet ist. Der Aufwand könne bei Reparaturen deutlich minimiert werden. Dies gelte auch für die Vermarktung mittels virtuellen Besichtigungen.

„Wir kaufen Projekte, die fertig erstellt sind und erwarten eine Rendite von 4 bzw. 2,5 % nach Kosten“, fasste Georg Heinze die Geschäftspolitik der „Aachener“ zusammen. Verwaltet werde ein Immobilienvermögen von 6,1 Mrd. € vor allem in 1a-Einzelhandelslagen. Gebäude, in denen Wohnen mit Service angeboten und ambulant betreute Wohngemeinschaften untergebracht würden, seien als Anlageobjekte zunehmend interessant; in Nordrhein-Westfalen sei der Pflegegrundsatz „ambulant vor stationär“ sogar schon Gesetz. Auch Kirchen seien vereinzelt schon für Wohnzwecke umgestaltet und in den Bestand übernommen worden. Aber Geschäftsführer Heinze bekannte ehrlich, dass eine Investition nur bei positiver wirtschaftlicher Prognose erfolge, was selten auf die ländlichen Regionen zutreffe.

Die in die Jahre gekommenen kirchlichen Gebäude, die zudem „ganz weit draußen liegen“ und nicht alle als Tagungshotel betrieben werden können, sind es jedoch, die einer großen Zahl der Gäste aus Ordinariaten, Kirchenkreisen, Ordensgemeinschaften, Wohlfahrtsverbänden und gemeinnützigen Stiftungen Kummer bereiten. So gesehen, besteht noch viel Bedarf an intelligenten Lösungen, die bei weiteren Zukunftsforen geboren werden können.


Weitere Informationen unter:

www.joseph-stiftung.de

Zurück

qm Leserservice / Abos kostenlos

Sie können das qm Magazin sowie weitere Magazine und Infomaterial kostenlos ab der nächsten erreichbaren Ausgabe abonnieren und sich per Post zusenden lassen.

Mehr Informationen zum qm Leserservice

Bestellformular als PDF hier

E–Mail: vertrieb@qm-magazin.de

Tel: 0911 / 32 16 21-11

Fax: 0911 / 32 16 21–19

Magazin Download

Die aktuelle Ausgabe des
qm Magazins gibt es hier kostenlos zum Download.

Titel der aktuellen Ausgabe

Anzeigenschluss

August-Ausgabe

ErscheinungsterminDienstag, 28. Juli 2020

AnzeigenschlussDonnerstag, 9. Juli 2020

DruckunterlagenschlussDonnerstag, 16. Juli 2020

 

Weitere Infos oder Angebot unter:

0911/ 321 621–11  oder  info@qm-magazin.de

Mediadaten

Mehr Informationen

Kontakt / Anschrift

qm medien GmbH
Rehdorfer Str. 10
90431 Nürnberg

Tel.: 09 11 / 32 16 21 – 11
Fax: 09 11 / 32 16 21 – 19

E-Mail: info@qm-magazin.de

Kontaktformular