Der Kettensteg

20.10.2009 12:59

Der Kettensteg in Nürnberg ist eine wegweisende Pionierleistung. Er war die erste freischwebende, an Ketten hängende und in der Mitte auf einer Insel abgestützte Brücke Deutschlands und stellt somit ein bedeutendes Denkmal der Technikgeschichte dar. Geplant und gebaut wurde die Brücke 1824 vom späteren Professor an der Polytechnischen Schule Konrad Georg Kuppler, einem Vorläufer der heutigen Georg-Simon-Ohm Fachschule. Berechnungen und Bauzeichnungen aus der Herstellungszeit des Kettensteges sind nicht bekannt.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die für Fußgänger gedachte Holzbrücke durch den sogenannten Kettensteg ersetzt. Am 31. Dezember 1824 wurde die Hängebrücke nach dreimonatiger Vorfertigung und Montage eingeweiht. Von der ursprünglichen Brücke sind die vier Trageketten, die Hänger und das Geländer vollständig erhalten. Der Kettensteg bereitete der Bauverwaltung von Anfang an Probleme. So wurde bereits 1836 das Befahren des Kettensteges mit Schubkarren amtlich verboten.

1909 wurde der Kettensteg umfangreich saniert. Drei Holzpylone wurden durch genietete, stählerne Fachwerke ersetzt und der Belag und die hölzernen Versteifungsträger wurden erneuert. Durch das Ersetzen der hölzernen gegen stählerne Pylone nahmen die dynamischen Probleme jedoch wohl zu. Der Steg musste nun jeden Monat gewartet werden, da sich Steckverbindungen, Nieten und andere Teile ständig auflösten.

Auch ein weiterer Missstand bereitete dem Amt große Sorgen. Im einem Vermerk aus dem Jahr 1926 wird geschildert, dass es offensichtlich Volkssport geworden war, den Kettensteg durch mehrere Personen zum Schwingen zu bewegen. Durch eine Ergänzung der Straßenpolizeiordnung vom 19. Mai 1927 versuchte man dieser Situation Herr zu werden und stellte das Springen auf dem Kettensteg unter Strafe. ?Das Befahren des Kettensteges mit Fahrzeugen aller Art ist verboten. Ferner sind alle Handlungen verboten, durch die der Steg in erhöhte Schwingungen versetzt werden kann, insbesondere Schaukeln, Gehen im Gleichschritt und Springen?, heißt es dort.

Auch wurden genau Verkehrszählungen und Belastungsüberprüfungen vorgenommen. Bis 1930 wurde wegen der Schwingungsprobleme sogar ein Abriss und Neubau des Kettenstegs erwogen. Erst dank zweier Holzjoche je Brückenfeld, die in die Pegnitz gebaut wurden, und neuer Stahlträger außerhalb des alten Brückenquerschnittes konnte das Problem gelöst werden.

Diese Konstruktion ist auch noch heute vorhanden, auch wenn der Kettensteg durch die zusätzlich angebrachten Eisenträger und Holzpfeiler den Charakter einer Schwebebrücke verlor.

 

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